Generation City
Anspruchsdenken Holen, was Ihnen zusteht

§§ 14, 15, 18c, 33, 36 ff., 45b SGB XI

Pflegegrad beantragen: Leistungen ab dem Antragsmonat

Wer Hilfe im Alltag braucht, sollte den Antrag sofort stellen, notfalls telefonisch. Leistungen gibt es ab dem Monat des Antrags.

Rechtsstand geprüft: 26. Oktober 2026 · Wie wir prüfen

Frist und Rückwirkung

Leistungen werden ab Antragstellung gewährt, frühestens ab Vorliegen der Voraussetzungen; bei späterem Antrag ab Beginn des Antragsmonats (§ 33 SGB XI). Die Pflegekasse muss in der Regel innerhalb von 25 Arbeitstagen entscheiden (§ 18c SGB XI).

Worum es geht

Pflegebedürftig ist, wer wegen gesundheitlicher Einschränkungen dauerhaft Hilfe im Alltag braucht. Der Medizinische Dienst begutachtet und schlägt einen von fünf Pflegegraden vor. 2026 beträgt das Pflegegeld bei häuslicher Pflege durch Angehörige 347 Euro bei Pflegegrad 2, 599 Euro bei 3, 800 Euro bei 4 und 990 Euro bei 5. Schon ab Pflegegrad 1 gibt es den Entlastungsbetrag von 131 Euro im Monat.

So holen Sie es sich

  • Stellen Sie den Antrag bei der Pflegekasse, die bei der Krankenkasse angesiedelt ist. Ein Anruf oder ein formloses Schreiben genügt für den Antragszeitpunkt; Angehörige können mit Vollmacht beantragen.
  • Führen Sie vor der Begutachtung zwei Wochen lang ein Pflegetagebuch und halten Sie Arztberichte und Medikamentenpläne bereit. Seien Sie beim Termin dabei.
  • Entscheidet die Pflegekasse nicht innerhalb von 25 Arbeitstagen und hat sie die Verzögerung zu vertreten, muss sie für jede angefangene Woche 70 Euro zahlen.
  • Ist der Pflegegrad zu niedrig, legen Sie innerhalb eines Monats Widerspruch ein und fordern Sie das Gutachten an.
  • Nutzen Sie die kostenlose Pflegeberatung der Pflegekasse und die Pflegestützpunkte.

Was sich 2027 ändert (Stand 26.10.2026)

  • Das Kabinett hat am 30. September 2026 eine Pflegereform beschlossen; Bundestag und Bundesrat müssen noch zustimmen. Nach dem Entwurf soll der Entlastungsbetrag von 131 Euro für Pflegegrad 1 entfallen. Ab Pflegegrad 2 soll er durch ein Budget von bis zu 175 Euro im Monat ersetzt werden, das sich nicht mehr ansparen lässt. Pflegegeld und Sachleistungen sollen steigen, die Schwellen für die Pflegegrade 1 bis 3 sollen höher werden; bestehende Pflegegrade sollen Bestandsschutz erhalten.
  • Ob nicht genutzte Entlastungsbeträge aus 2026 dann noch bis Ende Juni 2027 verwendet werden können, ist umstritten. Unser Rat: Nutzen Sie Restguthaben vorsorglich noch bis zum 31. Dezember 2026.
  • Wer einen Pflegegrad braucht, sollte den Antrag nicht aufschieben: Bestehende Pflegegrade sollen Bestandsschutz bekommen, neue Anträge würden dagegen nach den neuen, strengeren Schwellen beurteilt, sobald die Reform gilt.

Wer Anspruch hat

  • Sie brauchen voraussichtlich für mindestens sechs Monate Hilfe bei Körperpflege, Ernährung, Mobilität, Haushalt oder wegen kognitiver Einschränkungen.
  • Sie sind gesetzlich oder privat pflegeversichert; bei Privatversicherten begutachtet Medicproof.

Wer nicht

  • Der Hilfebedarf ist nur vorübergehend.
  • Die Beeinträchtigung erreicht nicht die Schwelle für Pflegegrad 1.

Typische Fehler

  • Den Antrag hinauszögern, bis die Lage dramatisch ist.
  • Bei der Begutachtung aus Stolz Einschränkungen herunterspielen.
  • Den Entlastungsbetrag verfallen lassen. Nach geltendem Recht können nicht genutzte Beträge bis zum 30. Juni des Folgejahres genutzt werden; wegen der geplanten Pflegereform sollten Sie Reste aus 2026 vorsorglich noch in diesem Jahr verbrauchen.
  • Den Pflege-Pauschbetrag in der Steuererklärung der pflegenden Angehörigen vergessen.

Wo Sie kostenlos Hilfe bekommen

Kostenlose Beratung bieten die Pflegeberatung der Pflegekassen, Pflegestützpunkte und Sozialverbände. Beim Widerspruch helfen VdK, SoVD und spezialisierte Anwälte für Sozialrecht.

Das Musterschreiben

Als PDF zum Ausdrucken und als Textdatei zum Bearbeiten. Rot markierte Angaben in eckigen Klammern ersetzen, Unzutreffendes streichen.

Antrag auf Leistungen der Pflegeversicherung

Am schnellsten ist ein Anruf bei der Pflegekasse; dieses Schreiben dient dann als schriftliche Bestätigung. Notieren Sie Datum und Gesprächspartner des Anrufs.

Text des Musterschreibens anzeigen
[Name der Krankenkasse] – Pflegekasse
[Straße Hausnummer oder Postfach]
[PLZ Ort]

Antrag auf Feststellung der Pflegebedürftigkeit und Leistungen der Pflegeversicherung – Versichertennummer [Versichertennummer]

Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit beantrage ich [für mich / für meine Mutter / meinen Vater / Name, geboren am TT.MM.JJJJ, Versichertennummer] die Feststellung der Pflegebedürftigkeit und Leistungen der Pflegeversicherung, insbesondere [Pflegegeld / Pflegesachleistungen / Kombinationsleistung].

Die Pflege erfolgt [zu Hause durch Angehörige / durch einen Pflegedienst]. Hilfe wird vor allem benötigt bei [kurze Beschreibung, z. B. Körperpflege, Mobilität, Medikamenteneinnahme, Orientierung].

Bitte werten Sie dieses Schreiben als Antrag nach § 33 Abs. 1 SGB XI mit Leistungen ab dem frühestmöglichen Zeitpunkt; die Hilfebedürftigkeit besteht seit [Monat Jahr]. Bitte veranlassen Sie die Begutachtung. Ich bitte darum, bei dem Begutachtungstermin anwesend sein zu dürfen. [Optional: Eine Vollmacht der versicherten Person füge ich bei.]

Außerdem bitte ich um einen Termin für eine Pflegeberatung nach § 7a SGB XI und um Bestätigung des Antragseingangs.

Mit freundlichen Grüßen

[Vorname Nachname]