Generation City
Geldspur Geprägte Freiheit – bar bezahlt

Teil 9 von 9 · Stand 26.10.2026

Gold in der deutschen Geschichte: Was blieb, wenn das Geld verschwand

Zweimal im 20. Jahrhundert haben die Deutschen ihr Erspartes fast vollständig verloren, 1923 und 1948, und auch 1990 wurden größere Guthaben halbiert. Was in diesen Jahren mit Geld, Sachwerten und Gold geschah und was man daraus lernen kann und was nicht.

Geld ist ein Versprechen. In Deutschland ist es im 20. Jahrhundert zweimal gebrochen worden. Gold war in diesen Krisen kein Wundermittel, aber es war eines der wenigen Dinge, die ihren Wert behielten.

4,2 BillionenMark für einen Dollar im November 1923
100 : 6,5Umtausch von Sparguthaben 1948
97 bis 98 Mrd.Mark Kriegsanleihen, nach dem Krieg wertlos
1,95583D-Mark für einen Euro

Keine Anlageberatung

Wichtig

Diese Seite erzählt Geschichte. Sie ist keine Prognose, dass sich so etwas wiederholt, und keine Empfehlung, Gold zu kaufen.

1914: Das Ende der Goldmark

Bis 1914 war die Mark an Gold gebunden; Banknoten der Reichsbank konnten in Gold eingelöst werden. Am 4. August 1914, wenige Tage nach Kriegsbeginn, wurde diese Einlösung aufgehoben. Von da an konnte das Reich Geld drucken, ohne Gold dafür vorhalten zu müssen.

Den Krieg finanzierte das Reich zum großen Teil über Kredite seiner Bürger: Neun Kriegsanleihen brachten rund 97 bis 98 Milliarden Mark ein. Unter dem Motto „Gold gab ich für Eisen“ wurden die Menschen zudem aufgefordert, Goldschmuck gegen eiserne Erinnerungsstücke einzutauschen, eine Idee, die schon 1813 in Preußen verwendet worden war. Nach dem Krieg waren die Anleihen praktisch wertlos.

1923: Hyperinflation

Anfang 1922 kostete ein Dollar rund 45 Mark, im Dezember 1922 schon 1.807 Mark. Im Juli 1923 war es eine Million Mark, im November 1923 4,2 Billionen Mark. Ein Brot, das im Dezember 1919 noch 80 Pfennig gekostet hatte, kostete im November 1923 201 Milliarden Mark.

Wer sein Vermögen auf dem Sparbuch, in Anleihen oder Lebensversicherungen hatte, verlor es fast vollständig. Wer Schulden hatte, wurde sie los, darunter der Staat selbst. Wer Sachwerte besaß, Häuser, Land, Betriebe oder Gold, kam deutlich besser durch die Krise.

Beendet wurde die Inflation mit der Rentenmark ab dem 15. November 1923: Eine Rentenmark ersetzte eine Billion Papiermark, ein Dollar kostete wieder 4,20 Rentenmark. Ab dem 30. August 1924 folgte die Reichsmark.

1930er und 1940er: Der Staat greift zu

In der Wirtschaftskrise ab 1931 führte das Reich die Devisenbewirtschaftung ein; Bürger mussten Devisen anbieten und abliefern, der Kapitalverkehr ins Ausland wurde streng kontrolliert. Diese Kontrollen blieben im Nationalsozialismus bestehen und wurden verschärft.

Am härtesten traf der staatliche Zugriff die jüdische Bevölkerung. 1938 mussten Juden ihr Vermögen anmelden, im selben Jahr wurde der „Einsatz des jüdischen Vermögens“ verordnet, und 1939 mussten sie Gold, Silber und Schmuck bei den städtischen Leihämtern abgeben, gegen eine Entschädigung weit unter dem Wert. Gold im eigenen Besitz schützte nicht vor einem Staat, der Eigentum nicht mehr achtete.

1948: Währungsreform

Am 20. Juni 1948 wurde in den drei Westzonen die D-Mark eingeführt. Jeder Einwohner erhielt ein Kopfgeld von 40 D-Mark, im August weitere 20. Löhne, Gehälter und Mieten wurden im Verhältnis 1:1 umgestellt, Schulden 10:1. Sparguthaben dagegen wurden im Ergebnis im Verhältnis 100 Reichsmark zu 6,5 D-Mark umgetauscht.

Wieder verloren die Sparer, und wieder kamen die Besitzer von Sachwerten glimpflicher davon; die Bundeszentrale für politische Bildung spricht von einer Begünstigung des Sachvermögens. 1952 beschloss der Bundestag den Lastenausgleich, vor allem um Vertriebene und Kriegsgeschädigte zu entschädigen: Auf Vermögen, das am Stichtag der Währungsreform vorhanden war, wurde nach Abzug von Freibeträgen eine Abgabe von 50 Prozent erhoben, zahlbar in Raten über rund 30 Jahre. Real fiel die Belastung durch die lange Laufzeit deutlich geringer aus.

1990: Währungsunion mit der DDR

Am 1. Juli 1990 wurde die D-Mark in der DDR eingeführt. Löhne und Renten wurden 1:1 umgestellt. Guthaben wurden je nach Alter bis 2.000, 4.000 oder 6.000 Mark ebenfalls 1:1 getauscht, darüber im Verhältnis 2:1, bei Personen mit Wohnsitz außerhalb der DDR 3:1. Im Durchschnitt wurde das private Geldvermögen laut Bundeszentrale für politische Bildung etwa im Verhältnis 1,7:1 umgestellt. Für viele war das ein guter Kurs, für größere Ersparnisse bedeutete es einen deutlichen Verlust.

1971 bis heute: Geld ohne Gold

Nach dem Zweiten Weltkrieg war der Dollar an das Gold gebunden, zu 35 Dollar je Unze, und die anderen Währungen an den Dollar. In den 1950er- und 1960er-Jahren floss der Bundesbank vor allem über die Überschüsse im Zahlungsverkehr mit dem Ausland Gold zu, und sie baute so ihren Goldschatz auf; der höchste Stand wurde 1968 erreicht.

Am 15. August 1971 setzten die USA die Einlösung von Dollar in Gold aus. Seitdem ist keine große Währung der Welt mehr an Gold gebunden. Der Euro ersetzte 1999 als Buchgeld und 2002 als Bargeld die D-Mark, zum festen Kurs von 1,95583 D-Mark für einen Euro.

Gold verliert auch

Zur Geschichte gehört auch die Kehrseite. Im Januar 1980 erreichte der Goldpreis ein Rekordhoch von 850 Dollar je Unze. Danach fiel er zwei Jahrzehnte lang; im August 1999 lag er bei rund 252 Dollar. Nach unserer Rechnung, mit den Jahresdurchschnitten von 1980 und 2001 und der Inflation, verlor ein Goldbesitzer in Dollar real rund vier Fünftel seines Werts, in D-Mark gerechnet gut die Hälfte, weil der Dollar in dieser Zeit zulegte.

Wer 1980 auf dem Höhepunkt kaufte, musste also sehr lange warten. Gold schützt vor dem Totalverlust einer Währung, aber nicht vor schlechten Einstiegszeitpunkten.

Was man daraus lernen kann, und was nicht

  • Geldvermögen ist nicht so sicher, wie es sich anfühlt. Zweimal innerhalb von 25 Jahren haben die Deutschen ihr Erspartes nahezu verloren; Sachwerte haben diese Krisen besser überstanden.
  • Gold war in diesen Krisen wertbeständig, aber es war kein Schutz vor einem Staat, der auf Eigentum zugreifen wollte. Die Lehre von 1938 und 1939 ist bitter: Rechtsstaatlichkeit ist der eigentliche Schutz des Eigentums.
  • Und: Nach 1923 und 1948 folgten Regelungen, die Lasten zwischen Geld- und Sachvermögen umverteilten, 1952 der Lastenausgleich. Auch Sachwerte waren also nicht völlig außerhalb der Reichweite des Staates.
  • Was man nicht lernen kann: dass sich die Geschichte genau so wiederholt. Deutschland ist heute Teil der Eurozone und ein gefestigter Rechtsstaat; die Lage ist mit 1923 oder 1938 nicht vergleichbar.

Quellen

Stand 26.10.2026. Allgemeine Information, keine Rechts- oder Finanzberatung. Rechtliche Hinweise