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Paragrafen-Judo Der mündige Bürger

§§ 407–412 StPO, § 147 Abs. 4 StPO

Einspruch gegen den Strafbefehl

Zwei Wochen Frist. Ohne Einspruch wirkt der Strafbefehl wie ein rechtskräftiges Urteil.

Rechtsstand geprüft: 15. Oktober 2026 · Wie wir prüfen

Worum es geht

Ein Strafbefehl ist eine Verurteilung ohne Hauptverhandlung. Das Gericht erlässt ihn auf Antrag der Staatsanwaltschaft nach Aktenlage. Wird nicht innerhalb von zwei Wochen Einspruch eingelegt, ist er rechtskräftig, mit allen Folgen: Geldstrafe, gegebenenfalls Fahrverbot oder Entziehung der Fahrerlaubnis, und in der Regel ab mehr als 90 Tagessätzen ein Eintrag im Führungszeugnis. Der Einspruch selbst ist einfach und muss nicht begründet werden.

Der Hebel

  • Der schlichte Einspruch wahrt die Frist und bringt die Sache vor einen Richter in eine Hauptverhandlung. Mehr verlangt das Gesetz innerhalb der zwei Wochen nicht.
  • Der Einspruch kann auf einzelne Punkte beschränkt werden, etwa nur auf die Höhe der Tagessätze, wenn die Tat selbst nicht bestritten wird (§ 410 Abs. 2 StPO). Gerade die Tagessatzhöhe wird oft nach geschätztem Einkommen zu hoch angesetzt.
  • Der Einspruch kann bis zur Verkündung des Urteils im ersten Rechtszug zurückgenommen werden, nach Beginn der Hauptverhandlung allerdings nur mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft.
  • Auch ohne Verteidiger dürfen Sie die Akten einsehen (§ 147 Abs. 4 StPO).

Wann es greift

  • Sie haben einen Strafbefehl erhalten und sind mit dem Vorwurf oder der Höhe nicht einverstanden.

Wann nicht

  • Im Strafbefehlsverfahren gibt es kein Verschlechterungsverbot: Das Gericht kann nach der Hauptverhandlung auch eine höhere Strafe verhängen (§ 411 Abs. 4 StPO).
  • Bleiben Sie der Hauptverhandlung unentschuldigt fern und sind auch nicht vertreten, wird der Einspruch ohne Verhandlung verworfen.

Typische Fehler

  • Die Frist verstreichen lassen, weil man erst einen Anwaltstermin abwarten will. Legen Sie den Einspruch sofort selbst ein; der Anwalt kann danach übernehmen.
  • Im Einspruch ausführlich zur Sache Stellung nehmen. Alles, was Sie schreiben, kann verwendet werden.

Das Musterschreiben

Als PDF zum Ausdrucken und als Textdatei zum Bearbeiten. Rot markierte Angaben in eckigen Klammern ersetzen, Unzutreffendes streichen.

Fristwahrender Einspruch gegen den Strafbefehl

Muss binnen zwei Wochen ab Zustellung beim Amtsgericht eingehen, das den Strafbefehl erlassen hat. Schriftlich mit Unterschrift, per Fax oder persönlich zu Protokoll der Geschäftsstelle. Danach sofort anwaltliche Beratung.

Vollständigen Text anzeigen
Amtsgericht [Ort]
– Strafabteilung –
[Straße Hausnummer oder Postfach]
[PLZ Ort]

Einspruch gegen den Strafbefehl vom [TT.MM.JJJJ], Aktenzeichen [Aktenzeichen des Gerichts]

Sehr geehrte Damen und Herren,

gegen den Strafbefehl des Amtsgerichts [Ort] vom [TT.MM.JJJJ], Aktenzeichen [Aktenzeichen], mir zugestellt am [TT.MM.JJJJ], lege ich hiermit Einspruch ein.

Ich beantrage Akteneinsicht nach § 147 Abs. 4 der Strafprozessordnung beziehungsweise, sobald ein Verteidiger bestellt ist, über diesen.

Eine Erklärung zur Sache gebe ich derzeit nicht ab.

Mit freundlichen Grüßen

[Vorname Nachname]