Generation City
Paragrafen-Judo Der mündige Bürger

§§ 49, 55, 56, 67, 111 OWiG, § 52 StPO, § 31a StVZO

Anhörungsbogen und Bußgeldbescheid

Was Sie angeben müssen, was nicht, und wie Sie den Einspruch fristwahrend einlegen.

Rechtsstand geprüft: 15. Oktober 2026 · Wie wir prüfen

Frist

Einspruch gegen den Bußgeldbescheid: zwei Wochen ab Zustellung (§ 67 OWiG). Für den Anhörungsbogen gibt es keine Pflichtfrist.

Worum es geht

Ein Verkehrsverstoß läuft meist in drei Stufen. Bei geringen Verstößen bis 55 Euro gibt es ein Verwarnungsgeld, das nur wirksam wird, wenn Sie zustimmen und zahlen. Bei höheren Beträgen kommt zuerst ein Anhörungsbogen oder, wenn Sie nur Halter sind, ein Zeugenfragebogen. Danach folgt der Bußgeldbescheid, gegen den Sie binnen zwei Wochen Einspruch einlegen können.

Der Hebel

  • Zur Person müssen Sie Angaben machen, zur Sache nicht. Wer im Anhörungsbogen erklärt, entschuldigt oder zugibt, liefert der Behörde den Fahrernachweis. Schweigen ist Ihr gutes Recht und darf nicht gegen Sie verwendet werden.
  • Als Halter, der nicht gefahren ist, sind Sie Zeuge. Ist der Fahrer ein naher Angehöriger, etwa Ehepartner, Kind oder Elternteil, dürfen Sie das Zeugnis verweigern.
  • Der Einspruch gegen den Bußgeldbescheid muss nicht begründet werden. Der fristwahrende Einspruch mit Antrag auf Akteneinsicht verschafft Zeit, die Messung zu prüfen. Sie können ihn bis zur Verkündung eines Urteils zurücknehmen.
  • Seit dem 1. Juli 2026 beträgt die Verfolgungsverjährung bei Verkehrsordnungswidrigkeiten einheitlich sechs Monate. Sie wird allerdings durch viele Maßnahmen unterbrochen, etwa schon durch die Anordnung der Anhörung.

Wann es greift

  • Sie haben einen Anhörungsbogen, einen Zeugenfragebogen oder einen Bußgeldbescheid erhalten.

Wann nicht

  • Wer das Verwarnungsgeld bezahlt, hat die Sache erledigt. Ein Einspruch ist dann nicht mehr möglich.
  • Kann der Fahrer nicht ermittelt werden, kann die Behörde dem Halter ein Fahrtenbuch auferlegen (§ 31a StVZO). Das ist der Preis des Schweigens und sollte bei Firmen- und Familienfahrzeugen bedacht werden.

Typische Fehler

  • Im Anhörungsbogen ausführlich erklären, wer gefahren ist und warum.
  • Die Zwei-Wochen-Frist ab dem Datum des Bescheids rechnen. Maßgeblich ist das Zustelldatum auf dem gelben Umschlag.
  • Einspruch einlegen, ohne die Kosten zu bedenken: Im Gerichtsverfahren kann das Gericht durch Urteil auch eine höhere Geldbuße festsetzen, und es entstehen Verfahrenskosten.

Wann zum Anwalt

Bei drohendem Fahrverbot, Punkten im Grenzbereich, hohen Geldbußen oder beruflicher Abhängigkeit vom Führerschein gehört die Sache in Anwaltshände, vor allem mit Rechtsschutzversicherung. Ein Verteidiger erhält zudem vollständige Akteneinsicht einschließlich der Messdaten.

Musterschreiben

Als PDF zum Ausdrucken und als Textdatei zum Bearbeiten. Rot markierte Angaben in eckigen Klammern ersetzen, Unzutreffendes streichen.

Antwort auf den Anhörungsbogen (als Betroffener)

Füllen Sie im Formular nur die Angaben zur Person aus und lassen Sie den Teil zur Sache leer. Diesen Brief beilegen.

Vollständigen Text anzeigen
[Name der Bußgeldbehörde]
[Straße Hausnummer oder Postfach]
[PLZ Ort]

Anhörung im Bußgeldverfahren, [Aktenzeichen / Kassenzeichen]

Sehr geehrte Damen und Herren,

zu Ihrem Anhörungsbogen vom [TT.MM.JJJJ] teile ich mit, dass die Angaben zu meiner Person, wie im Briefkopf angegeben, zutreffen [bzw.: wie folgt zu berichtigen sind: ...]. Weitere Angaben zu meiner Person sind der beigefügten Seite des Anhörungsbogens zu entnehmen.

Zur Sache mache ich von meinem Recht Gebrauch, mich nicht zu äußern.

Ich beantrage Akteneinsicht nach § 49 Abs. 1 des Gesetzes über Ordnungswidrigkeiten (OWiG) einschließlich der Messunterlagen und bitte um Übersendung von Kopien der Akte.

Mit freundlichen Grüßen

[Vorname Nachname]

Antwort auf den Zeugenfragebogen (als Halter)

Nur zutreffende Angaben machen. Wer nicht weiß, wer gefahren ist, darf das sagen; wer es weiß und kein Verweigerungsrecht hat, darf keinen falschen Fahrer nennen. Mögliche Folge des Schweigens ist eine Fahrtenbuchauflage.

Vollständigen Text anzeigen
[Name der Bußgeldbehörde]
[Straße Hausnummer oder Postfach]
[PLZ Ort]

Zeugenfragebogen, [Aktenzeichen / Kassenzeichen]

Sehr geehrte Damen und Herren,

zu Ihrem Zeugenfragebogen vom [TT.MM.JJJJ] teile ich mit, dass ich Halter des Fahrzeugs mit dem amtlichen Kennzeichen [Kennzeichen] bin. Meine Personalien entnehmen Sie bitte dem Briefkopf.

[Nur wenn der Fahrer ein naher Angehöriger ist:] Hinsichtlich der Person des Fahrers berufe ich mich auf mein Zeugnisverweigerungsrecht nach § 52 der Strafprozessordnung in Verbindung mit § 46 Abs. 1 des Gesetzes über Ordnungswidrigkeiten.

[Alternativ, wenn Sie den Fahrer nicht kennen:] Wer das Fahrzeug zum angegebenen Zeitpunkt geführt hat, ist mir nicht bekannt.

Mit freundlichen Grüßen

[Vorname Nachname]

Einspruch gegen den Bußgeldbescheid mit Akteneinsicht

Muss binnen zwei Wochen ab Zustellung bei der Behörde eingehen, schriftlich mit Unterschrift oder per Fax. Eine einfache E-Mail genügt nicht.

Vollständigen Text anzeigen
[Name der Bußgeldbehörde]
[Straße Hausnummer oder Postfach]
[PLZ Ort]

Einspruch gegen den Bußgeldbescheid vom [TT.MM.JJJJ], [Aktenzeichen / Kassenzeichen]

Sehr geehrte Damen und Herren,

gegen den Bußgeldbescheid vom [TT.MM.JJJJ], [Aktenzeichen / Kassenzeichen], zugestellt am [TT.MM.JJJJ], lege ich hiermit Einspruch nach § 67 des Gesetzes über Ordnungswidrigkeiten (OWiG) ein.

Zugleich beantrage ich Akteneinsicht nach § 49 Abs. 1 OWiG. Ich bitte um Übersendung von Kopien der vollständigen Akte einschließlich des Messprotokolls, des Messfotos, des Eichscheins des Messgeräts und des Nachweises über die Schulung des Messpersonals. Die Herausgabe der digitalen Messdaten beantrage ich gesondert.

Eine Begründung des Einspruchs behalte ich mir nach erfolgter Akteneinsicht vor. Zur Sache äußere ich mich derzeit nicht.

Bitte bestätigen Sie mir den fristgerechten Eingang des Einspruchs.

Mit freundlichen Grüßen

[Vorname Nachname]